Sailing Champions League in Palma – Eine Stippvisite

Der YCH nimmt erstmals an der Sailing Champions League teil – eine Gelegenheit den Eismännern kurz zu entfliehen und unsere Mannschaft in Palma de Mallorca zu besuchen. Gerne gebe ich dazu einige Eindrücke für die Daumendrücker in der Heimat. Zum Segeln selbst wird dann sicher unsere Mannschaft einen detaillierten Bericht abgeben – als „Landmannschaft“ fehlt da doch der Einblick auf das Geschehen auf dem Boot….

Als erstes einige Anmerkungen zum Revier: Die Regatten finden in der Bucht von Arenal – direkt vor der Hafeneinfahrt zum Club Nautic Arenal (CNA) statt. Tiefblaues Wasser, eine herrliche Kulisse durch die Berge von Mallorca und dem langen Sandstrand von Arenal, sonniges Wetter mit 25 Grad Temperatur, und vor allem bisher konstanter Wind mit 10 – 13 Kn schaffen ideale Rahmenbedingungen für dieses Event. Der CNA besitzt eine gute Infrastruktur mit Restaurant, Terrasse und sogar einem Swimming Pool. Die Atmosphäre ist ungezwungen, das Personal ist sehr freundlich und die Preise sind sensationell: Bier und Kaffee 1,50 – Wasser wird gestellt. Der Club steht den Champions-League Seglern fast exklusive zur Verfügung – erst wenige Mitglieder besuchen den Club – offensichtlich ist es noch sehr früh in der Saison. Der CNA liegt am Ende des sogenannten Ballermanns, und wenn man zum Hotel geht, fühlt man sich wie in Deutschland – genauer noch am Oktoberfest. Da ist der Club eine Oase der Ruhe.

Eine interessante Mischung bieten die Mannschaften, die aus 16 Nationen stammen: Österreich, Deutschland, Schweiz, Niederlande, UK (Noch kein Brexit), Frankreich, Slowenien, Italien, Dänemark, Schweden, Russland, Portugal, Spanien, Finnland, Litauen, Norwegen. Obwohl es keine Einschränkungen zur Zusammensetzung der Teams gibt, bekommt man den Eindruck, dass Segeln ein Männersport ist – nur vier Teams haben eine Frau in der Crew. Die Spannweite geht von sehr jungen Teams – z.B. Hard – bis zu alten und schwergewichtigen Haudegen (z. B. KSS Göteborg), die man sonst eher auf 8ern trifft. Es finden sich Teams, die unter nahezu professionelle Bedingungen trainieren (z.B. Aeronautica Militare), aber auch Teams wie das unsere, die nur wenig Gelegenheit haben, auf der J 70 zu segeln. Die engen Rennen zeigen aber, dass alle Teams hervorragende Segler sind – eben Champions-League. Die Rennorganisation wird mehrheitlich von der deutschen Segelbundesliga getragen, die auch dafür gesorgt haben, dass die J 70 im Konvoi von Deutschland nach Palma überführt worden sind. Entsprechend gut funktionieren die Wettfahrten, die Crewwechsel und auch die Jury, die von allen Seglern als sehr kompetent eingestuft wird.

Im Gegensatz zu allen anderen Teams und Ländern haben wir das Handikap, dass die österreichische Meisterschaft auf Sunbeam 22 ausgetragen wird und damit die Praxis auf der J 70 doch fehlt. Im Vergleich zur spartanischen Sunbeam bietet die J 70 deutlich mehr Trimmmöglichkeiten. Damit können geübte Teams das Speedpotenzial der Boote deutlich besser nutzen. Angesichts des harten Wettbewerbs und der unterschiedlichen Rahmenbedingungen sind die Leistungen unseres Teams wohl höher einzuschätzen als das Ergebnis in der Rangliste. Die Motivation ist hoch, die Einstellung hervorragend und auch die Betreuung durch Michael Sagmeister vom Vorarlberger Seglerverband ist optimal – vielen herzlichen Dank an dieser Stelle!

Gestern Abend gab es noch das Gala Diner im CNA – zumindest bei diesem Anlass hat sich der YCH als würdig gezeigt: Rock, lange Hose, Bluse, Hemd mit Sakko war unser Dresscode – die meisten Teams hatten sich eher dem Ballermann angepasst und erschienen sehr lege –  auch das gehört zur Seemannschaft. Das Essen war sehr gut – mit Tapas zur Vorspeise, Skrei als Hauptspeise und dem mallorquinischen Mandelkuchen zum Dessert. Allerdings waren die Portionen eher als Diät ausgerichtet. So war es für unsere hungrigen Segler angebracht, beim anschließenden Barbesuch noch die Speisekarte zu bestellen.

Leider ist auch von einem tragischen Ereignis zu berichten: Ein Segler eines litauischen Teams hat gestern Mittag in einer Segelpause gleich am Nebentisch einen Herzinfarkt erlitten und hatte diesen aufgrund der professionellen Erstversorgung überstanden – wir wünschen Ihm gute Besserung und hoffen, dass er bald wieder aufs Wasser kann.

Heute Vormittag herrschten wieder beste Bedingungen und die erste Wettfahrt bei leichterem Wind brachte einen dritten Platz. Das war leider das letzte Rennen, das ich live verfolgen konnte. Nun geht es wieder heim zu den Eismännern  – unserem Team drücke ich und sicherlich alle zu Hause weiter die Daumen – auch wenn eine Finalqualifikation wohl schwierig wird, so hat der Yacht Club Hard gezeigt, dass man auch am Bodensee segeln kann. Danke dem Team und dem Club und den Sponsoren, die das ermöglicht haben.

Bericht von Christof Grabher

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