Sydia Baltic Tour 2019 / Teil 4

Samstag, 15. Juni 2019

Nach Start „The Run“ bei herrlichem Wetter und einer leichten Brise frischte gegen Mitternacht der Wind erheblich auf. Nachdem wir zu Beginn die grosse „Bodenseegenua“ gesetzt hatten, war nun unbedingt ein Segelwechsel erforderlich. Leider hatten wir zulange zugewartet und mussten dies nun bei Wind von über 25 Kn machen. Da zeigte sich schon erstmals die Qualität der Mannschaft – nach 15 Minuten war die Genua 2 angeschlagen, die Schoten umgesteckt und die Genua 1 am Seezaun – so sagt man an der Ostsee der Reeling – vertäut. Der Wind frischte weiter auf und das erste Reff wurde eingebunden. Leider regnete es immer wieder recht heftig und die Temperatur ging nicht über 15 Grad hinaus. Mit Anliegerkurs und 6,5 Knoten SOG näherten wir uns der Südspitze der Insel Als. Ab 03.00 war es dämmerig und um 04.45 ging die Sonne auf. Damit wurde auch die Konkurrenz sichtbar – wir lagen mitten in einem Feld von ca. 15 Yachten, ca. 2 Meilen voraus war noch ein weiteres Feld zu sehen. Das spornte uns an und wir begannen konzentrierter als in der Nacht zu segeln. Der Trimm wurde laufend optimiert und alle Böen wurden optimal ausgefahren. Am Nordende der Insel Als hatten wir dann das erste Feld hinter uns gelassen und hatten die vor uns liegenden Yachten erreicht. Mit Einlaufen in die Als-Fjörde wurde der Spi gezogen und wir konnten zu den ersten Yachten des Feldes aufschliessen. Leider flaute der Wind immer mehr ab, sodass wir mit dem Feld langsam vorwärts kamen. Um ca. 09.30 Uhr drehte der Wind auf Höhe Dyvig und wir segelten nun eine Kreuz durch den Als Fjord. Das machte es möglich, noch weitere zehn Schiffe zu überholen. Letztendlich liefen wir um 10.15 über die Ziellinie, die zwischen der ersten grünen und roten Tonne des Als Sundes lag. Die Zeitnehmung erfolgte durch die Regattateilnehmer selbst – als Zusatzangabe waren das vordere und hintere Schiff anzugeben. Wenn möglich sollte man ein Foto der grünen Tonne machen, auf dem die Uhrzeit vermerkt ist. Vor uns lag die Gudrun, ein 15 Meter langer Colin Archer, der gerade aus der Renovierung gekommen ist – das Schiff hinter uns war zu weit ab, um von uns identifiziert werden zu können. Den guten Wind nutzten wir aus, um bis vor die Brücke in Sonderburg zu segeln. Nach der Brückenöffnung eröffneten wir am vorderen Teil der Brücke ein Päckchen. Nun liefen nach und nach die Teilnehmeryachten ein, und man bekam Gelegenheit, die Vielfältigkeit des Teilnehmerfeldes zu studieren. Ganz vorne beeindruckende Yachten wie die Peter von Seestermühe von Christoph von Reibnitz, die Krupp Yacht Germania VI, der 12er Anita, der 100er Seefahrtskreuzer Anita, eine Vielzahl von Schären aller Art, eine grosse Flotte von Kreuzeryachten und KR-Yachten, Jollenkreuzer, Knarr Boote, Folke Boote aber auch mehrere Jollen waren Teilnehmer der Classic Week 2019. In der Zwischenzeit füllte sich auch unser Päckchen: Direkt neben uns die Greta, eine 7 KR Yacht mit einer Besatzung aus Hamburg, eines weiter die Kreuzeryacht Franziska – mit beiden Crews haben wir uns rasch angefreundet und beide wurden zu Dauerbegleitern in unserem Päckchen. Nach der langen Nacht ohne Schlaf wurde gefaulenzt, das Anlegebier getrunken und erste Gespräche mit anderen Teilnehmern geführt. Um 18.30 fand dann die offizielle Eröffnung mit der Preisverteilung „The Run“ statt. Als Location hatte man das neue Alsion Center gleich über die Brücke gewählt – durch die moderne Architektur ein toller Kontrast zu den alten Schiffen. Die Preisverteilung wurde im Anschluss einer launigen Rede des Bürgermeisters von Sonderburg durch Dirk Hilcken vom Hauptsponsor Pantaenius vorgenommen. Dabei zeigten sich gleich einige Ungereimtheiten, die sich durch die individuelle Zeitnehmung ergeben hatten. Es wurde versprochen, das Ergebnis nochmals zu checken und zu plausibilisieren – leider gibt es auch am Ende der Classic Week noch kein Ergebnis. Unsere eigenen Kalkulationen ergaben eine Platzierung zwischen 5 und 10 – wenn diese vorliegt, werden wir berichten. Nach einigen Drinks mit den Yachten im Päckchen war um 01.00 Uhr Bettruhe.

Sonntag, 16. Juni 2019

Nach Frühstück im Alsion fand um 10.00 Uhr die Steuermannsbesprechung statt. Die Regatta wurde vom Yacht Club Sonderburg ausgerichtet – zu Segeln war ein grosses Olympisches Dreieck mit zwei Durchgängen und einem dazwischenliegenden Up and Down; in Hard sagt man dazu uffe, ume, abe, uffe, abe, uffe, ume, abe. Den Start haben wir optimal erwischt und nach der ersten Kreuz waren wir ganz vorne mit dabei. Konzentriertes Segeln, eine motivierte und sehr fähige Crew machten es möglich, dass wir das Ziel als viertes Schiff passierten – der zweite aus unserer Gruppe lag mehr als 40 Minuten hinten. Nach dem Einlaufen in Sonderburg wurde wieder „gepäckelt“ und eifrig über die Regatta diskutiert. Sehr anständig war der Skipper der Königin, die uns regelwidrig an der Leetonne abgedrängt hatten. Eine ausführliche persönliche Entschuldigung mit klarer Anerkenntnis des Fehlverhaltens machten uns diese Crew wieder sehr sympathisch – während der Regatta fanden sie nicht jugendfreie Bezeichnungen. Es stellte sich heraus, dass die Königin trotz deutscher Flagge in Schweizer Hand ist, und neben dem Skipper Daniel vom Zürich See auch Segler aus Kreuzlingen in der Crew hatte. Die „Versöhnung“ wurde dann gleich mit einigen Bieren gefeiert. Überhaupt das Bier: Im „Verwaltungsboot“ Gesine waren ca. 2 Tonnen Budweiser Bier gelagert, dass freizügig unter den Teilnehmern nach dem Einlauf verteilt wird. Die Preisverteilung war auf 20.00 Uhr geplant, dann aber auf den nächsten Tag verschoben. Das gab uns Gelegenheit, mit den anderen Bodenseeseglern eine gesellige Runde zu bilden: Claus Steinlein aus Fischbach mit einem 22er Schärenkreuzer, Thomas Henkell von den Kressbronner Seglern mit seinem Folkeboot, Robert Geisser auch von den Kressbronner Seglern mit einem 35er Nationalen Kreuzer und dem Ehepaar Arnoldy aus Nonnenhorn mit ihrem 30er Jollenkreuzer. Nach den obligatorischen Absackern war dann um 01.00 Uhr Ruhe im Schiff.

Montag, 17. Juni 2019

Nach Tagwache um 07.00 war ein letztes Mal Frühstück im Alsion in Sonderburg. Steuermannsbesprechung war um 10.00 Uhr; der heutige Kurs führt uns von Sonderborg über eine kurze Kreuz auf zwei Luvtonnen auf dem direkten Weg an die Schlei nach Kappeln. Die Wettfahrtleitung befürchtet eine Flaute und wird bei Falshöft ein Gate auslegen, um eine Zwischenzeit zu nehmen – Ziel wäre vor Schleimünde. Beim Start herrschte eine frische Brise und eine angespannte Situation – ganz wie bei der Mittwochsregatta in der Bregenzer Bucht. Wir kamen gut zur Linie und luvten gleich hoch – der neben uns liegende 8er reagierte gleich wurde aber von der am nächsten liegenden Gudrun – der mächtige Colin Archer – behindert. Im Gegenteil gaben diese keinen Raum, sodass erhebliche Wortgefechte erfolgten. Kurz darauf erfolgte der Rückruf aufgrund eines Massenfrühstarts. Beim zweiten Versuch gingen wir näher an das Pin Ende, um nicht in mögliche Kollisionen verwickelt zu werden. Dort gelang uns ein Nullstart und gleich darauf sahen wir, dass diese Entscheidung die richtige war. Beim Startboot war es wieder die Gudrun, die für Aufregung sorgte. Diese war zu früh an der Linie, überfuhr diese und wendete direkt in den Start der grossen Schiffe. Die Folge war eine heftige Kollision mit dem 12er Anita – dieser rammte die Gudrun quer, riss ein V in die Seitenwand und durchbohrte das Grosssegel. Die Anita als Wegerechtsboot kam glimpflich davon – ein abgerissener Bugkorb und einige Schrammen; für die Gudrun war die Classic Week zu Ende und ein Gang in die Werft notwendig. Schade um das derart schön restaurierte Schiff, aber wohl gerecht einer Crew, die alle Regeln und Grundsätze ignoriert und nur auf das Recht des „Stärkeren“ setzt. Für uns war das eine herrliche Wettfahrt, und wir konnten wie alle anderen Schiffe auch bis Schleimünde ins Ziel segeln. Auf den letzten Meilen führten wir einen harten Kampf mit dem Seekreuzer „Seven“ – wir liefen als erste ein aber nur knapp und denken, dass es wohl nicht zum ersten Platz reichen wird. Nach dem Ziel liefen wir in die Schlei ein und steuerten den Zielhafen Kappeln beim Arnisser Segelclub an. Dort bekamen wir eine Box direkt vor dem Clubhaus mit Franziska und Buschemai als Nachbarn. Um 18.00 Uhr startete dann die traditionelle Kappelner Suppentour – jeder Teilnehmer bekommt einen Löffel umgehängt und die Kappelner Gasthäuser bieten diverse Suppen um EUR 2.—an. Trotz des grossen Hungers schafften wir gerade mal 4 Suppen und waren dann pünktlich zur Preisverleihung wieder beim ASC. Dort übernahm der Clubpräsident die Vergabe der Preise. Zwei Regatten standen an: Sonderburg mit dem 1. Platz, Sonderburg – Schlei mit dem 2. Platz – damit waren wir gleich auf mit der Seven, die in Sonderburg auf dem 2. Platz und bei Sonderburg – Schlei auf dem 1. Platz landete. Das war für uns ein sehr erfreuliches Ergebnis, das wir entsprechend  feierten. Um Mitternacht war dann doch Bettruhe – wir hatten ab nun ja etwas zu verteidigen.

Dienstag, 18. Juni 2019

Nachdem in der Nacht einige Gewitterzellen durchgegangen waren, zeigte sich das Wetter wieder von der Sonnenseite. Nach dem Frühstück gab es die Steuermannsbesprechung – die grossen Schiffe fahren draussen um das Sperrgebiet Schönhagen, die kleinen fahren in der Schlei Dreieckskurse. Gleich mit der Brücke um 10.45 wurde ausgelaufen und um 12.30 erfolgte der Start bei ca. 8 – 12 Kn Wind. Der Start war wieder sehr gut und nach der kurzen Startkreuz auf die Vorlegetonne machten wir uns auf den Weg um das Sperrgebiet, das von sieben gelben Tonnen eingegrenzt wird. Zweimal musste der Kurs gefahren werden – am Ende wurde der Wind flau und löchrig, aber wir kamen noch gut ins Ziel. Gleich liefen wir wieder in die Schlei und liefen um 16.45 beim ASC ein. Leider war trotz anderer Ankündigung unser Liegeplatz besetzt, und wir eröffneten ein Päckchen an der Kaimauer. Das wurde von der Greta gleich genutzt und wir hatten wieder unsere bekannten Nachbarn. Nach dem Abendessen beim ASC gab es wieder die Preisverteilung – Sydia erster Platz, die Gläser für die Bar häuften sich. Auf dem zweiten Platz landete die Buschemai, Seven war weit abgeschlagen und sollte in den nächsten Regatten nicht mehr in Erscheinung treten. Nach drei Regatten zeigten sich in allen Klassen nun die Favoriten, und der Wettbewerb wird intensiver und direkter. Einer Favoriten bei den 5 KR Yachten ist der prominenteste Segler der Classic Week- Björn Both, der Frontman der Band Santiano mit seiner Capella. Nach einigen Absackern war dann um 01.00 Uhr Nachtruhe.

Mittwoch, 19. Juni

Jeden Morgen die gleiche Prozedur: Tagwache um 07.00, Frühstück um 08.00 Uhr, im Anschluss Steuermannsbesprechung. Heute ist die Überstellungsregatta von der Schlei nach Eckernförde angesagt. Die Wettfahrtleitung rechnet mit leichtem Wind, sodass am Mittelgrund Nord der Eckernförder Bucht wieder ein Gate gelegt wird, das Ziel liegt dann unmittelbar vor dem Hafen Eckernförde. Um 10.45 gibt es eine verlängerte Brückenöffnung in Kappeln, sodass die ganze Armada der Classic Week sich auf den Weg zum Start machen kann – bis Schleimünde sind das ca. 4 NM. Wir gehen mit den letzten Schiffen durch die Brücke, sodass wir den beeindruckenden Anblick von 160 Klassikern die aufgereiht durch die Schlei fahren auch geniessen können. Nahezu 30 Minuten dauert es, bis die Brücke wieder schliesst. Beim Start kommen wir diesmal nicht so gut weg, ca. 80 Sekunden waren wir zu spät. Nach der üblichen kurzen Kreuz geht es am Sperrgebiet westlich vorbei in Richtung Damp. Dort sind wir das zweite Schiff des Feldes – was sich aber bald als erheblicher Nachteil entpuppt. Der Wind lässt abrupt aus und wir fallen in totales Flautenloch mit einer hohen und unangenehmen Dünung. Die meisten der hinteren Schiffe sehen das, und gehen auf Kurs dicht unter Land und können die Thermik nutzen. Die noch weiter zurückliegenden Schiffe ziehen höher an den Wind nach Osten und nutzen den dort stehenden Seewind. So zieht in ca. 90 Minuten das komplette Feld an uns vorbei – östlich und westlich mit Abstand von einer NM kann gesegelt werden – alle Versuche den Wind zu erreichen scheitern. Um 15.30 Uhr beschliessen wir die Aufgabe der Regatta und brechen mit Motor in Richtung Eckernförde auf. Kurz danach folgen uns noch die weiteren Boote, die im Flautenloch lagen. In der Zwischenzeit hat sich im Norden eine kohlschwarze Gewitterwand aufgebaut, die sich schnell nähert. Auf der Sydia wurde rasch von kurzer Hose ins Ölzeug gewechselt und wenige Minuten später ging die Front durch. Der Wind erreichte 40 Kn und eine Schauerbö mit Hagel und Sicht nicht über 20 m ging durch. Nach 15 Minuten war der Spuk vorbei und rasch stellte sich wieder sonniges Wetter ein. Allerdings war nun auch der Wind weg und wir sahen, wie sich das Feld durch das Ziel quälte – gerade für die kleinen Boote eine arge Strapaze nach der Gewitterfront, die manche in grosse Bedrängnis gebracht hat. Am Ende waren die Schäden aber gering – einige zerfetzte Spis und Segel, aber keine Mastbrüche. Nach dem Anlegen wurde wieder das übliche Päckchen mit Greta an unserer Seite aufgebaut. In Eckernförde sollte dann unsere Mannschaft am Donnerstag noch Verstärkung erhalten – Inka Lührs hatte mich schon am Vortag kontaktiert und um Mitsegelmöglichkeit angefragt. Inka ist die Tochter eines guten Segelfreundes aus Hamburg, mit dem wir uns bei der letzten Tour in Norwegen bestens verstanden haben. Sie studiert mit Laurenz in St. Gallen und hatte uns schon am Bodensee bei einigen Regatten verstärkt. Nach dem Abendessen (Italienischer Abend aus der Bordküche) gab es die Preisverteilung: In unserer Gruppe ist nur ein Schiff durchgekommen: Buschemai, ein 1-Tonner aus Flensburg. Ab heute war der Gesamtsieg ein Wettrennen zwischen Sydia und Buschemai. Bettruhe war um 01.00 Uhr.

Donnerstag, 20. Juni

Bei schönem Wetter sind wir aufgestanden und haben bei der Steuermannbesprechung erfahren, dass der kleinere Kurs in der Eckernförder Bucht gefahren wird – klein heisst für unsere Gruppe aber auch 18 NM und ca. 3 Stunden konzentriertes Segeln. In der Zwischenzeit war auch Inka zu uns gestossen und wir organisierten uns neu. Sie sollte aufgrund der Ortskenntnisse die Afterguard (Resi und Christof) verstärken und bei Bedarf an allen Positionen aushelfen. Wegen den angekündigten schwachen Winden wählten wir die Genua 1 als Vorsegel, beim Start waren dann aber mehr als 15 Kn Wind aus Südwest. Nachdem die Startkreuz sehr kurz war, entschlossen wir uns mit der Genua 1 zu starten und während des langen Spiganges einen allfälligen Wechsel vorzunehmen. Nach einem gut angesetzten Start kam uns leider vor der Linie ein Ahnungsloser aus dem dritten Start in die Quere, sodass wir nicht optimal über die Linie kamen. Auf dem Spigang frischte der Wind auf und wir flogen mit über 8 Kn in Richtung Leetonnen. Nachdem der Wind inzwischen mit über 20 Kn daherkam, entschlossen wir uns, das Vorsegel zu wechseln. Gottseidank waren wir nun zu sechst, sodass das Manöver gut und rasch umgesetzt werden konnte. Die folgende Kreuz stellte die Afterguard nun verstärkt um Inka einige strategische Fragen: Sollte man die Kreuz mit langen Schlägen über die gesamte Bucht machen oder eher kürzere Schläge am Nord oder Südufer machen. Wir schätzten Wind und Strömung am Südufer günstiger ein und entschieden uns für diese Variante. Leider lagen beim Ziel Franziska und Buschemai knapp vor uns – diese hatten sich für die andere Variante entschieden und deutlich weniger Wenden gemacht – nun ja, man kann nicht immer richtig liegen – trotzdem eine tolle Wettfahrt. Nachdem wir beim Segelwechsel festgestellt hatten, dass bei der Genua 1 die Nähte aufgingen, organisierten wir für Freitag Vormittag noch einen Segelmacher, der das ärgste reparieren sollte. Nachdem Inka direkt von einer Bootsüberstellung aus Stockholm angekommen ist, hat sie nach der Wettfahrt gleich mal ihre Wäsche gewaschen und am Seezaun aufgehängt – die Damenwäsche auf der Sydia hat dann auch für Gelächter gesorgt und wurde für Schnappschüsse genutzt. Von unseren Bodenseefreunden wurde uns zugesteckt, dass wir jetzt „Sündia“ genannt werden. Auch so kann man populär werden. Bei der Preisverteilung wurde uns der Dritte Rang zuteil – Buschemai siegte und es wurde nun sehr spannend. Am Abend spielte eine Band bis weit nach Mitternacht und wir feierten im bewährten Päckchen mit Greta mit. Nachtruhe war dann um 0.30 Uhr – nur der Skipper sass noch eine Stunde am PC um am Bericht zu schreiben.

Freitag, 21. Juni

Der Countdown zum Gesamtsieg läuft, und wir waren froh dass um 08.00 Uhr der Segelmacher die Genua abholte und um 10.00 Uhr wieder brachte. Nach dem nun schon eintönigen Frühstück – der Caterer blieb an allen Stationen der gleiche – war die Steuermannsbesprechung: Direkter Kurs von Eckernförde nach Kiel mit zwei Tonnen an der rechten Seite (Stollergrund Süd und Kleverberg) , Ziel in der Strander Bucht ungefähr dort, wo „The Run“ eine Woche zuvor gestartet wurde. Den Start haben wir gut gemacht und bei der Luvtonne lagen wir schon einige Längen vor Buschemai, die allerdings eine bessere Vergütung hat. Die Klassiker Regatten an der Ostsee werden nach dem KLR „Klassiker Rennwert“ gefahren. Das ist eine vom Biologen und Segler Enno Thyen entwickelte Formel, die die wichtigsten Masse der Traditionsschiffe kombiniert (https://www.fky.org/regatten/klr.htm). Die Sydia weist einen Wert von 133 gegenüber 126 der Buschemai auf. Damit müssen wir pro Stunde 3,3 Minuten schneller sein, um vor der Buschemai zu liegen. Nachdem diese hervorragend gesegelt wird, ist das durchaus eine Herausforderung. Auf dem folgenden Spigang hatten wir den richtigen Riecher uns mehr auf der Nordseite der nächsten Tonne anzunähern. Der Wind frischte immer mehr auf, und wir rasten nach dem Stollergrund mit über 8,5 Knoten und einer riesigen Heckwelle auf die Tonne Kleverberg zu. Dort wurde der Spi geborgen und mit der Genua 1 in Richtung Ziel gefahren. Mit 20 Kn und Vollzeug lagen wir ganz schön auf der Backe und bewegten uns am Rand der Windkante. Als viertes Schiff querten wir die Linie und hofften, dass es reicht. Buschemai kam allerdings rasch hinter uns daher und es wurde ein spannender Nachmittag bis zur Preisverteilung. Heute lag die Classic Week im Hafen Labö und es sollte sehr eng werden. Das war auch der Grund, dass wir unmittelbar weiter segelten  und die Zeit der Buschemai nicht nahmen. Dafür bekamen wir in Labö direkt vor dem Festzelt einen Logenplatz. Diesmal bekamen wir auch neue Nachbarn: Die Sonja, eine 55er Schäre mit beeindruckenden Proportionen: 15 m Länge, 2 m Breite und 19 m Masthöhe – was für ein Geschoss. Nachdem die Besatzung wegen anderen Verpflichtungen schon arg dezimiert war, traten wir Inka an die Sonja ab und machten dafür wieder die Koje für Christian frei – in Eckernförde hatte er sich wegen der Überbelegung und dem immer heftigeren Sägewerk eine Hotelnacht gegönnt. Nachdem Resi immer noch nicht für Fisch zu begeistern war, warfen wir rasch den Grill an und brieten Rostwürste und Käsekrainer. Anschliessend war die Preisverteilung und es wurde sehr spannend: Um 100 Sekunden lagen wir vor der Buschemai und erzielten den ersten Platz – mit zwei Streichern bedeutete das auch den Gesamtsieg – unabhängig wie wir am Samstag segeln werden. Zudem hat Resi errechnet, dass wir nach berechneter Zeit das schnellste Schiff waren. Dieser Sieg wurde dann ausgiebig gefeiert, solange bis der Skipper nur mehr dänisch sprach. Insider berichten, dass es auch in Hard einen Dänen gibt. Bettruhe war um 02.00 Uhr.

Samstag, 22. Juni

Der Finaltag begann mit herrlichstem Wetter und dem üblichen Frühstück mit deutscher Salami, Gummikäse, Eierleder und braunem Saft – inzwischen haben wir uns daran gewohnt. Der Kurs sollte heute vom Kieler Yacht Club bis zur Tonne Kleverberg Ost quer über die Förde und retour bis zur Hörn und zum Kieler Yacht Club führen. Zum immer dichten Verkehr in der Kieler Förde kommt heute noch die Eröffnung der Kieler Woche mit der Aalregatta und weiteren Events auf dem Wasser. Zusätzlich werden viele Grossegler erwartet, die von zahlreichen Touristenschiffen begleitet werden. Fazit: Regatta auf einer Autobahn mit viel Verkehr – schon die Anfahrt von Labö zum Start zeigte uns, was das bedeutet. Um 12.30 erfolgte dann der Start bei den Peilstäben des Kieler Yachtclubs – Kaiserwetter und eine feine Brise bescherten Traumbedingungen. Den Start gingen wir angesichts des sicheren Gesamtsieges verhalten an – Problem hatten wir mit der Zeit, da wir weder Flaggen noch Signale orten konnten. Auf der Kreuz hatten wir mit den hinteren Schlägen die Konkurrenz überholt und der Ehrgeiz war wieder erwacht. Der Spigang wurde erschwert, da wir uns zwischen Peter von Seestermühe und Germania VI befanden, und aufgrund der Grösse derSchiffe nicht wirklich überholen konnten. Erst ein Manöver mit absichtlichen Zusammenfallen des Spis liess uns vorbeiziehen. An der Hörn bargen wir den Spi und machten uns auf zur Zielkreuz. Auf dieser hatten wir noch beinahe eine Kollision mit einem Motorboot mit Zuschauern – dieses machte keine Anstalten auszuweichen und wir mussten dramatisch abfallen. Das Geschimpfe war gross, aber wir haben dann erfahren, dass innerhalb des Fahrwassers Segler immer Nachrang haben. So entschuldigen wir uns für unsere Worte, hätten trotzdem Verständnis und eine leichte Kurskorrektur erwartet. Die Ziellinie querte wir um einiges vor Buschemai – ob das reicht werden wir sehen. Nachdem es im Millionenbecken des KYC trotz Räumung sehr eng werden wird, beschlossen wir mit dem Motor nach Labö zu fahren und in Baltic Bay anzulegen. Dort soll die Sydia dann zwei Wochen liegen. Der Hafenmeister teilte uns mit, dass der Dauerliegeplatz frei ist und schon belegt werden kann. Nach Anlegen und frisch machen machten wir uns mit dem Bus zum KYC auf. Dort kamen wir kurz vor 20.00 Uhr an und mussten mit einigen anderen Spätankommern mit Schrecken feststellen, dass das Buffet im wahrsten Sinn leer gefressen war. Nach Interventionen erbarmte sich die Küche und brachte noch etwas Braten, Spinat und Rollgerstenrisotto. Nebenan verspeiste Gerhard Schröder ein Gourmetmenü – trotzdem wollten wir nicht tauschen. Bei der Siegerehrung der Tagesregatta landeten wir dann mit 30 Sekunden Differenz auf dem 2. Platz – der Gesamtsieg aber war der unsere. Mit der Crew der Greta und weiteren nun bekannten Seglern feierten wir Abschied und wollten dann um ca. 01.00 Uhr mit dem Taxi nach Labö fahren. Leider erwies sich das aufgrund der Kieler Woche als schwieriges Unterfangen – das zweite Taxi mit Resi und Christian traf erst in der Dämmerung ein.

Sonntag, 23. Juni

Heute endet für uns die „klassische Woche“ und die Sydia hat seit dem Gewinn der Gotland Runt 1952 den grössten Regattaerfolg erzielt. Möglich war das durch die hervorragende Crew bestehend aus der Afterguard Christof und Resi, der zusätzlich den Spi fuhr, dem Mann an der Grosschot und an der Leewintsch Michael, und den Supermännern am Vorschiff Christian und Hannes und last but not least unsere Kurzzeitverstärkung Inka Lührs. Obwohl wir in dieser Besetzung noch nie gesegelt waren, bildete sich in kürzester Zeit ein Team, das eingespielt alle Manöver souverän umsetzte und auch persönlich bestens harmonierte – vom Skipper vielen Dank und höchste Achtung vor der Leistung. Um 11.00 war die Sydia ausgeräumt und geputzt, sodass wir uns auf den Weg in die Heimat machten. Damit endet vorläufig die Berichterstattung von der Baltic Tour. In zwei Wochen werde ich dann mit meiner Familie nach Labö zurückkehren und einen Sommertörn nach Kopenhagen machen.

Hier noch die Ergebnisliste:

https://www.fky.org/doku/Ganze%20Woche%20korrigiert.html

Die Teilnehmer mit Beschreibung:

https://www.fky.org/doku/Gruppeneinteilung.pdf

… Fotos folgen

Christof Grabher

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