Sydia Baltic Tour 2019 / Teil 5

… und weiteres gibts zu Berichten von der Baltic Tour:

Donnerstag, 4.Juli 2019 

Nun geht es wieder los – heute starten wir zu unserem Familientörn in die Ostsee – alle sind dabei: Christof, Andrea, Olivia und Laurenz. Zuletzt waren wir 2014 zusammen auf der Schwedenreise und es freut den Skipper, dass beide Kinder (In Wirklichkeit sind es ja schon Erwachsene) mit den Eltern zum Segeln gehen. Nach den Erfahrungen der Vorcrews haben wir beschlossen, die A7 – ab Kassel eine durchgehende Baustelle – in der Nacht zu befahren. So sind wir um 21.30 losgefahren und sind früh am Morgen in Kiel/Labö eingetroffen. 

Freitag, 5. Juli 2019 

Der Freitag soll der Schiffsausrüstung dienen, sodass wir am Samstag sehr früh aufbrechen können. Nach dem Frühstück sind wir dann gleich in die Becsen Werft gefahren, und haben wieder einmal Überraschungen erlebt. Nachdem im Verlauf der Classic Week das Grossfall – bei der Sydia ein Stahldraht – Verwindungen gezeigt hat, dachten wir dass eine Litze gerissen sein kann. Jedenfalls haben wir die Jungs von Becsen beauftragt, das Fall auszutauschen. Offensichtlich konnte man dieses nicht einfach durchziehen, sodass die Vermutung nahe lag, dass das Fall aus der Rolle gesprungen war. Kurzerhand verlegten wir die Sydia von der Baltic Bay in die benachbarte Werft und mit dem Mastkran hat Herr Becking dann die Sache überprüft und mit Entsetzen festgestelt, dass überhaupt keine Rolle mehr vorhanden ist. Diese muss wohl aufgrund „Alterserscheinungen“ zersprungen sein, sodass während der Classic Week der Falldraht direkt über die Metallkante des Mast hochgezogen wurde. Gottseidank ist das Fall nicht gerissen, das hätte sehr unangenehm werden können. Die Mastbeschläge sind noch aus Tuffol, und wir wären gut beraten gewesen, wenn wir diese wie das stehende Gut auch getauscht hätten. Nun mussten Entscheidungen her: Eine neue Rolle wäre frühestens am Dienstag der Folgewoche zur Verfügung gestanden, was die Urlaubsplanung ordentlich aus dem Konzept gebracht hätte. Nach einigen Beratungen mit Herr Jensen und Becking wählten wir eine Alternative: Die Dirk wird mit einer Dynema Leine ersetzt und funktioniert als neues Grossfall, die alte Dirk wird am Mastkopf fixiert und unten mit einem Seilzug versehen, sodass wir beim Setzen und Bergen den Grossbaum nicht stützen müssen. In zwei Stunden war das Rigg so umgebaut und ein Probeversuch angestellt. Prinzipiell funktioniert das gut, allerdings bekommen wir auf der Fallwintsch wegen der Glätte der Rolle und der Leine ständig Überläufer. Irgendwie müssen wir dieses Problem im Verlauf der nächsten Tage noch lösen.

Der Rest ist schnell berichtet: Bunkern, Räumen und Putzen – und am Abend der obligatorische Besuch in der Fischküche. Nach einem kurzen Absacker war um 23.00 Uhr Nachtruhe

Samstag, 6. Juli 2019 

Tagwache war um 04.15 – das hat allen nicht so gepasst, aber wir wollten ja Strecke machen. Um 06.15 war das Schiff dann klar zum Auslaufen und wir haben Labö mit Ziel Kopenhagen verlassen. Mit Motor sind wir dann  die ersten Meilen gefahren, haben dann aber bei auffrischendem Wind nach 30 Minuten die Segel gesetzt und Kurs Nord Richtung Langeland angelegt. Der Wind war günstig aus Südwest und hat beginnend bei 15 Kn ständig aufgefrischt. Bei der Südspitze von Langeland war dann schon 25 Kn Wind mit Böen bis 35 Kn. Nachdem wir nicht wussten, ob wir mit dem neuen Fall ein Reff durchsetzen können, haben wir uns entschlossen, das Gross komplett zu bergen – eine richtige Entscheidung. Nur mit der kleinen Genua haben sind wir ständig 6 bis 7 Knoten gelaufen, und das ohne Stress. Zu Mittag haben wir Spodsbjerg erreicht und sind in Richtung Smalandsfahrwasser weiter gesegelt. In der Zwischenzeit hatten wir auch eine Begegnung mit einem deutschen U-Boot und einer Vielzahl von Küstenfrachtern, die in den grossen Belt fahren. Das Wetter war leider regnerisch und sehr kühl, aber mit dem Wind kamen wir rasch vorwärts. 

Am Nachmittag hellte es auf und die Sonne zeigte sich immer mehr. Damit frischte der Wind auch immer mehr auf und wehte nun mit 30 Kn immer aus Südwest. Bei nahezu achterlichen Kurs und einer mittlerweise ca. 2 m hohen Welle surften wir dahin. Auf einer besonders grossen Welle zeigte die Logge über 11 Kn im Surf – Höchstgeschwindigkeit. Nach der Durchfahrt durch die Zwei Brücken bei Vordingboorg erreichten wir um 19.30 Stubbeköbing und wollten den Hafen anlaufen. Der Wind hat zu diesem Zeitpunkt etwas abgeflaut und wir wollten nur noch hinein. Das hat dazu geführt, dass wir die Genua schlampig eingerollt haben – just in der Rinne zum Hafen hat dann der Wind wieder stark aufgefrischt und den oberen Teil der Genua entrollt. Die um das Segel gewickelte Schot hat sich derart verstrakt, dass wir diese nicht mehr lösen konnten. Also sind wir nochmals rausgefahren, und Laurenz und ich haben das Segel abschlagen können – leider ging auch eine Latte verloren. Dann ging es aber endlich in den Hafen, wo wir an eine Yacht aus Belgien ins Päckchen gingen. Gleich hat Andrea die Nähte der Segellattentasche nachgenäht und die Ersatzlatte wurde in die Genua gesetzt. Um 22.00 Uhr war dann das Schiff klar, und wir haben uns endlich einige Drinks gegönnt. Um 24.00 Uhr haben wir das Abendessen wie hungrige Wölfe verzehrt – Nudeln mit hausgemachtem Sugo und Salat – wie schön anch so einem Tag: Etmal: 91 NM, davon 88 unter Segeln, Durchschnittsgeschwindigkeit über 6,5 KN. Bettruhe war um 02.00 Uhr und wir haben beschlossen, am Sonntag auszuschlafen.

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