Sydia Baltic Tour 2019 / Teil 6

Nachtrag „The Run“

In der Zwischenzeit wurde vom FKY fleißig nachgerechnet, plausibilisiert und verglichen. Das Resultat ist eine komplett neue Ergebnisliste. Wir sind letztendlich auf dem 13. Rang gelandet – wir verbuchen das unter „Training“, welches letztendlich erfolgreich war. Gewonnen haben die Kieler Bahn unsere Freunde aus Hamburg von der „Greta“ – herzlichen Glückwunsch.

www.fky.org/images/The_Run_final.pdf

Sonntag, 7. Juli

Die ganze Nacht hat der Wind kräftig geweht und in der Früh zeigte der Windmesser 35 Kn an; der Skipper war schon um 05.00 auf um das Wetter zu checken. Das Resultat war, die Crew ausschlafen zu lassen. Das taten Sie auch bis um 10.30 Uhr, dann folgte ein ausgiebiges Frühstück. Der Wind schwächte sich auf 30 Kn ab, und wir beschlossen Stubbeköbing zu verlassen und nach Klintholm zu segeln. Um 13.30 liefen wir aus und fuhren den engen Tonnenstrich des Grönsundes mit dem Motor. Anschliessend wurden die Segel gesetzt – Genua klein und Gross mit erstem Reff – und schon ging die Post ab. Bei halbem Wind erreichte die Sydia 8 Kn, herrliches Segeln inzwischen auch mit Sonnenschein. Nach knapp drei Stunden hatten wir die 20 NM nach Klintholm absolviert und die Segel wurden geborgen. Der Hafen war noch nicht voll, und wir haben einen der schönsten Liegeplätze bekommen: Direkt am Hafendamm neben dem Sandstrand mit Blick auf die See und den Hafen. Mit kühlen Drinks und cooler Musik genossen wir den frühen Abend und rafften uns auch auf, am Strand die Füsse zu baden – 17,5 Grad ist die Ostsee kalt. Die Dänen empfinden das aber als warm und schwimmen genüsslich im Meer – andere Länder, andere Temperaturzonen. Damit uns nicht langweilig wird, hat sich ein Windsurfer auf den Hafendamm neben uns spülen lassen – die Anstrengung bei so viel Wind war zu gross. Gemeinsam mit einem Urlaubsgast aus Dänemark, der das vom Balkon beobachtet hatte, zogen wir den Surfer samt Surfbrett an Land und halfen Ihm wieder zu seinem Auto zu kommen.

Nach diesem Aufreger wurde der Grill angeworfen und Rostbratwürste und Käsekrainer aufgelegt. Dazu gab es Salat und erfrischende Getränke. Damit die Würste auch gut verdaut werden, haben wir kräftig mit Whisky nachgespült. Nach dem Essen wurde es uns zum Verhängnis, dass die Sydia einfach ein Hingucker ist. Ein Segler aus Holland bewunderte das Schiff und lobte es derart, dass wir Ihn gleich auf einen Whisky einluden. Aus einem wurden dann mehrere, sodass der Skipper wieder zum Dänen mutierte. Irgendwann war dann auch Bettruhe oder Schlafkoma – die genaue Zeit liess sich nicht mehr feststellen.

Montag, 8. Juli

Um 07.00 Uhr hat uns Olivia geweckt – der Rest der Crew hat alle Wecker überhört. Rasch wurde Schiff klar gemacht und noch ein Kaffee getrunken. Um 07.45 sind wir von Klintholm ausgelaufen und wollten nach Kopenhagen durchsegeln. Nach den Kreidefelsen von Möns Klint erwartete und der angesagte Nordwest mit ca. 20 Kn – nach den Raumkursen der vergangenen Tage war nun hart am Wind angesagt. Nachdem eine ordentliche Welle stand, stampfte die Sydia ordentlich durch das Wasser. Nach drei Stunden war die Crew aufgrund des Vorabends etwas mürbe, und wir entschieden uns, Rödby anzulaufen. Dort waren dann um 11.00 die leinen fest. Nachdem wir mit dem Bug Richtung Hafen lagen, haben wir die Sydia mit 2 Leinen gekehrt – eine Art Spitzkehre auf dem Wasser, ein Manöver, dass sogar die Dänen bewunderten. Im Anschluss wurde noch gebunkert und das Abendessen eingekauft. 

Die Kinder sind auf dem Schiff geblieben, und prompt bekamen sie Besuch von der dänischen Polizei. Vier Mann und eine Frau inspizierten die Sydia ganz genau. Oder eigentlich halb genau: Nach einigen Fragen nach Schiffspapieren, Alkohol und Drogen wurden die Schwimmwesten gezählt (das Prüfdatum interessiert hier niemand) und das Schiff besichtigt. Als Höhepunkt musste Laurenz demonstrieren, wie die Betten gemacht werden – da scheint einer der Polizisten wohl ein Fan von klassischen Yachten zu sein. Ohne Beanstandung zogen sie wieder von dannen, und wir begannen das Abendessen zu bereiten. Nachdem wir beim Fischer frischen Seelachs gekauft haben, wurde dieser gleich gegrillt – dazu Salat und österreichischer Weisswein. Um 23.00 Uhr war Nachtruhe, wir wollen morgen ja früh heraus.

Dienstag, 9. Juli

Heute sollt es endlich nach Kopenhagen gehen – darum hiess es wieder einmal früh heraus. Um 05.15 war Tagwache und um 06.30waren wir auslaufbereit. Der deutsche Segler, der gestern noch sehr spät an uns gepäckelt hatte, war auch schon bereit uns raus zu lassen. So verliessen wir Rödvig an einem herrlichen Morgen mit Sonne und schöner Brise. Nach dem Kap frischte es auf und wir segelten mit Genua 2 und Gross hart am Wind gegen Norden. Die Sydia wollte offensichtlich auch nach Kopenhagen und lief nie unter 7 Kn. Nach drei Stunden war schon die Öresundbrücke gut sichtbar, und wir konnten abfallen. Bald war der Sund erreicht, und wir segelten entlang von Amager und ergötzten uns am vielfältigen Verkehr: Kreuzfahrer, Containerschiffe, Segler, Fischer – alles ist hier vertreten. Höhe Kastrup war dann Schluss mit Segeln, der Wind kam nun direkt von vorne. Mit Motor legten wir noch die letzten 2 Meilen bis zum Stadtzentrum zurück. Die Ansteuerung von Kopenhagen erfolgt über das sogenannte Kronlob und führt am Industriehafen entlang. Vom letzten Besuch war mir noch eine Abkürzung bekannt: Das Lynettenlob, eine Verkürzung um 2,5 Meilen. So standen wir nun um 12.00 Uhr mitten in Kopenhagen und mussten uns für einen Hafen entscheiden. Der Versuch einer Reservierung bei Wilders Plads im Christianshavn ist wegen Überbuchung schon letzte Woche fehlgeschlagen. Im Segelforum hatte ich aber gelesen, dass es einen ganz neuen Steg mit Strom, Wasser, WC und Dusche beim neuen Schauspielhaus gibt. Diesen steuerten wir dann gleich an, und es gab noch Plätze. Offensichtlich ist dieser neue Hafen noch kaum bekannt, denn alle anderen Häfen sind übervoll. Die Lage ist kaum zu überbieten: Mitten in der Stadt, aber nicht in der Auslage, erreichbar ohne Brückenöffnung und der Badesteg mit einer Vielzahl dänischer Badenixen gleich nebenan.

Nach dem Anlegedrink haben wir das Schiff klariert und uns auf den Weg in die Stadt gemacht. Kopenhagen ist die Hauptstadt Dänemarks und gehört zu den lebenswertesten Städten der Welt. Ca. 25 % der Dänen leben in der Metropolregion und zusammen mit Malmö auf der schwedischen Seite des Öresundes bildet Kopenhagen eine dder grössten Agglomerationen in Nordeuropa. Zuletzt waren wir 2007 hier – die allererste Tour mit der Sydia hat uns damals hierher gebracht. Heute ist die Stadt kaum mehr wieder zu erkennen: Die neue Oper, das Schauspielhaus, komplett neue Viertel im Süden der Stadt und die Revitalisierung verkommener Stadtbezirke haben das Gesicht der Stadt verändert. Kopenhagen ist heute eine junge, pulsierende und hippe Grosstadt – das allgegenwärtige Wasser mit den vielen Kanälen bringt noch einen besonderen Charme. Ganz besonders beeindruckend ist der Fahrradverkehr – jeder in der Stadt, vom Student bis zum Bankdirektor – ist mit dem Fahrrad unterwegs, und es gibt auf jeder Strasse eigene Fahrradspuren, die teilweise grösser wie die Autospuren sind. Das führt dazu, dass der Autoverkehr sehr gering ist, und man das Gefühl hat, dass nur Taxis am Weg sind. Das ökologische Bewusstsein der Dänen ist zu bewundern und sollte ein Vorbild für uns sein.

Der folgende Spaziergang führte uns über den Nyhavn in die Fussgängerzone Stroget und dann nach Norrebro. Dort hat sich Laurenz mit einem dänischen Studienkollegen, den er aus Neu Seeland kennt, verabredet. Mit Marten und seiner Freundin Katharina tranken wir dann noch einige Tuborgs, bis dann auch noch ein Maturakollege von Laurenz vorbeikam – dieser absolviert im grössten Spital von Kopenhagen gerade ein Praktikum. Nach einigen weiteren Tuborgs gingen wir in das Restaurant Peder Oxe zum Abendessen – wurde von Laurenz Freunden als typisch dänisch empfohlen – da gab es dann auch sehr gute Burgers und Fisch mit dänischen Kartoffeln, angeblich die besten der Welt. Es gat hervorragend geschmeckt, und im Anschluss gab es noch einen Hock auf der Sydia. Bettruhe um 24.00 Uhr. Am Mittwoch gibt es einen Hafentag – kein Auslaufen, sondern Stadtbesichtigung.

Mittwoch, 10. Juli

Um 09.30 gab es Frühstück mit frischen Erdbeeren und Baguettes – um 11.00 war die Vrew bereit zur Besichtigung. Als erstes besichtigten wir den Christianshavn – am Hafen hat sich seit 2007 nichts verändert. Idillysch und ziemlich vergammelt war dieser bis zum letzten Platz gefüllt. Gleich dahinter liegt der Freistaat Christiania, der 1971 durch Hausbesetzungen entstanden ist. Heute gleicht der Stadtteil eher einem Freiluftmuseum, dass akkurat mit Graffiti und Symbolen des freien Lebens kunstvoll dekoriert ist, und über jede Menge Stände, an denen Kunsthandwerk, Textilien und eben auch „Gras“ verkauft wird. Die wenigen „Autonomen“, die man zu Gesicht bekommt, sind inzwischen Rentner mit Hippie-Outlook. Danach ging es über den Kanal zur Börse und zum Parlament weiter Richtung Tivoli. Dort trennten sich die Wege – jeder hatte sein eigenes Programm für den Nachmittag. Inzwischen hat uns auch der nordische Sommer erreicht – Wetter vom Feinsten, Sonnenschein aber erträgliche Temperaturen um 24 Grad. Das führt dazu, dass alle Menschen bestens gelaunt sind und von Aktivität nur sprühen – kein Vergleich mit dem Süden, wo alle nur vor der Sonne und Hitze flüchten. In der Zwischenzeit sind bis auf Olivia alle an Bord der Sydia eingetroffen und geniessen coole Drinks. Beim Abendessen soll dann beratschlagt werden, wie das Programm in den nächsten Tagen ausschaut.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.