Sydia Baltic Tour 2019 / Teil 8

Samstag, 13. Juli Fortsetzung

Nachdem wir vor drei Wochen in Aaarhus keine Zeit für eine ausführliche Besichtigung hatten, wurde das nun nachgeholt. Aaarhus ist die zweitgrösste Stadt von Dänemark, aber ein totaler Kontrast zu Kopenhagen. Vor allem gibt es hier kaum Touristen und die Stadt gehört den Einheimischen. Das Zentrum ist relativ klein und durch den imposanten Dom mit dem grössten Kirchenturm Dänemarks dominiert. Durch das enorme Wachstum gibt es ein sehr gegensätzliches Stadtbild: Am Hafen ist ein neuer Stadteil im Entstehen, der durch avantgardistische Architektur geprägt ist. Im Westen der Stadt steht das AROS Kunstmuseum und das Musiktheater – auch moderne Bauten mit ansprechender Architektur. Aaarhus hat auch die grösste Universität von Dänemark – ca. 50.000 Studenten sind hier inskribiert und machen die Stadt „jung“. Entsprechend gibt es eine Vielzahl von Lokalen aller Art – aktuell läuft das 6 wöchige Aaarhus Jazz Festival. Von 10.00 Uhr Vormittag bis weit nach Mitternacht finden an verschiedenen Locations Konzerte statt – viele auch ohne Eintrittsgeld. In den Geschäften hat gerade der Sommerausverkauf begonnen, sodass unsere Damen noch auf eine entsprechende Tour gehen mussten. 

Am Abend genossen wir das Essen in einem der Lokale am Kanal mitten in der Stadt – zum ersten Mal im Freien. Um 23.00 Uhr war dann Schluss und Ruhe im Schiff.

Sonntag, 14. Juli

Um 08.30 war Schluss mit der Bettruhe und um 10.00 Uhr warfen wir die Leinen los. Ursprünglich hatte der Wetterbericht den bisher schönsten Tag der Woche angesagt und wir wollten einen kurzen Schlag zur Insel Tunö machen und den Tag am Strand verbringen. Leider war dann das Wetter eher diesig und kühl und die Sonne wurde erst auf den späteren Nachmittag angekündigt. Der Wind war leider wieder sehr schwach und genau von vorne. So fuhren wir mit Motor dann bis Juelsminde, eine Marina ca. 10 NM vor der Enge von Middelfahrt. Dort fand ein Volksfest statt, dass aber ohne uns von statten ging. Auf der Sydia wurde zunächst mal gefaulenzt und einige Anlegebiere und andere Drinks genosssen. Dann wurde der Grill angeworfen und „Oksenkoet“ aufgelegt – dazu gute Weine aus Österreich und Rum aus Flensburg. Im Anschluss haben wir dann das Hornochsenspiel gespielt – keine leichte Sache für studierte Leute! Um Mitternacht war dann die Partie beendet und alle legen in der Koje.

Montag, 15. Juli

Aufgrund der Nachwirkungen des Hornochsenspiels, oder eher wegen den dadurch bedingten Getränken, war erst um 08.30 Tagwache. Um 10.00 Uhr liefen wir bei Westwind mit 15 Kn aus Juelsminde auf. Gleich wurden die Segel gesetzt und ein Kreuzkurs Richtung Fredericia gesegelt. Mit Böen bis zu 20 Kn kamen wir mit 6,5 Kn Fahrt und guter Höhe schnell voran. Um 12.00 Uhr erreichten wir Fredericia – die Meerenge zum Eingang in den kleinen Belt fuhren wir mit Motor. Nach der Eisenbahnbrücke wurde wieder gesegelt – bei halbem Wind machten wir nun ca. 7,5 Kn Fahrt – mit dem Strom ergab das 9,5 Kn SOG. In der Zwischenzeit haben sich die Wolken verzogen und die Sonne machte sich bemerkbar. Damit frischte auch der Wind noch mehr auf, sodass wir um 16.00 Uhr unser Ziel Aerosund erreichten. 

Aerosund ist ein kleiner Hafen in der Enge zwischen Jütland und der Insel Aero. Der Hafen war gut gefüllt, aber wir konnten noch eine schöne Box bekommen. Hier haben wir mit der Breite von 2,85 m einen enormen Vorteil, die meisten Boote hier sind doch eher „fett“ und können in den schmaleren Boxen in Dänemark nicht anlegen; vor allem die deutschen Segler mit ihren Hansen und Bavarias sind sehr breit und eher Wohnschiffe als Segelschiffe. Im Hafen trafen wir auch Bekannte: Hinnerk 3, der auch bei der Europauken in Oslo dabei war und Fiete Föh vom ASC aus Kappeln – bekannt als der beste Fischräucherer von Deutschland. Nachdem alle Gasthäuser – es gibt nur zwei – geschlossen waren, haben wir die Küche angeworfen und Pasta mit der selbstgemachten Sugo gekocht – dazu noch einige Gläser Wein und Grappa; danach widmeten wir uns wieder den Hornochsen – Bettruhe war dann um Mitternacht.

Dienstag, 16. Juli

353 Seemeilen haben wir nun schon hinter uns, und die letzten Tage an der Ostsee sind nun gekommen. Nach Tagwache um 08.30 war dann um 10.00 Uhr Leinen los in Aerosund und gleich nach der Hafenausfahrt wurden die Segel gesetzt. Bei Sonnenschein und Nordwest mit 15 Knoten ging es mit halbem Wind Richtung Insel Als. In diesem Teil der Ostsee – der dänischen Südsee – ist im Gegenteil zum bisherigen Törnverlauf viel Betrieb. So überholten wir dann auch jede Menge der üblichen Ferienbomber und lieferten uns mit einer dänischen X-Yacht ein langes Gefecht. Konnten wir zunächst bei Wind um die 15 Kn noch gut aufholen und die Distanz um 5 Nm verkürzen, ging dann im Als Fjord mit abgeflautem Wind nichts mehr – unsere 10 Tonnen waren nun doch zu bemerken. Um weiter aufzuholen, wäre ein Segelwechsel auf die Genua 1 erforderlich gewesen. Diese Arbeit wollten wir uns aber nicht machen, es war ja keine wirkliche Regatta. So segelten wir dann bei herrlichem Wetter bis vor die Kong Christian X Brücke in Sonderburg, die wir um 16.38 passierten. Nachdem der Stadthafen schon sehr voll war, fuhren wir weiter in die Marina von Sonderburg. Vor dem Schloss lag die dänische Königsyacht Dannebrog, die wir schon in Aaarhus bewundert haben. Im Sommer verbringt Königin Margrethe einige Wochen in ihren Schlössern Marselisborg in Aarhus und Schloss Gravenstein bei Sonderburg. In dieser Zeit liegt die königliche Yacht in den Häfen, wo die Königin Gäste empfängt und auch Ausfahrten macht. 

Am Abend machten wir noch einen Spaziergang durch Sonderburg und kehrten zum Abendessen in der Torvehallen ein – ein sehr gutes und interessant gestaltetes Restaurant. Dort lernten wir auch den Chef kennen, einen Niederösterreicher, der schon lange in Dänemark lebt. Nach dem Rückweg waren alle derart müde, dass rasch die Kojen aufgesucht wurden. Am nächsten Tag möchten wir Erinnerungen auffrischen, und nach Kappeln an der Schlei fahren. Dort in Arnis lag die Sydia, als wir diese 2007 gekauft haben. Von 2007 bis 2010 haben wir diese dann auch dort belassen und haben die Sommerurlaube an der Ostsee verbracht. Erst 2010 unmittelbar nach der Classic Week ist die Sydia dann an den Bodensee gekommen.

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